#2 Arsch in der Hose? Kaffee im Blut!

„Wenn man jeden Tag Sport macht, ausschließlich glutenfreesugarfreefatfreelactosefreecrueltyfree-es Essen zu sich nimmt und tagtäglich jeden verdammten Punkt auf seiner to-do Liste erledigt, ist das dann noch Selbstliebe oder auch wiederum ego-gesteuert, weil zu viel Selbstkontrolle? Oder gibt es tatsächlich Menschen, die sich niemals zu etwas zwingen müssen?“

Über Hosen ohne Ärsche, pseudo-authentische Selfies und Selbstliebe als Balance-Akt

Quellen:      thepured           Jackeline Ramirez/weheartit.com             Tam/weheartit.com                   

Irgendwie bin ich high von einer Tasse Kaffee. Die haben hier echt guten Kaffee. Im Süß+Salzig (Merseburger Str. 44, Leipzig, vielleicht springt ja irgendwann was für meine freiwillige Werbung bei raus). Draußen windet es. Regen hatten wir heute auch schon. Schreiben über das Wetter ist wie reden über das Wetter. Unfreiwilliger Small Talk weil man nichts besseres weiß. Aber auch nicht den Arsch in der Hose hat einfach nichts zu sagen. Oder das zu sagen, was man eigentlich sagen will.. Wieso braucht man dazu eigentlich Arsch in der Hose? Gute Frage. Meine Recherche hatte nicht wirklich für mich zufriedenstellende Ergebnisse hervorgebracht. Kann es wirklich sein, dass es keinen wirklichen Artikel in diesem verdammten Internet gibt, der sich mit der Herkunft des Sprichwortes „keinen Arsch in der Hose haben“ auseinandersetzt? Wenn man über sowas nachdenkt, hat man dann zu viel Zeit? Oder zu viel Kaffee getrunken? Ich weiß es nicht. Ich stelle aber gerade fest, dass es mich ganz schön viel Mut kostet solch nichtssägende Texte wie diesen zu veröffentlichen. Also noch habe ich ihn nicht veröffentlicht. Aber ich werde es tun. Schließlich habe ich mir selbst die Aufgabe gestellt, 30 Tage lang was zu veröffentlichen. Egal wie beknackt es ist. Und dies schon am 2. Tag nicht zu tun, wäre für mein Ego noch erniedrigender als etwas Beknacktes zu veröffentlichen. Also…here we go.
Tatsache ist: ich hab‘ eigentlich so viele fabulöse Gedanken im Kopf, die niedergeschrieben werden wollen. Doch dann sitze ich vor der Tastatur und mir fällt nichts mehr ein. Vielleicht sollte ich stets ein Diktiergerät mit mir herumtragen. Ok…Mobiltelefone haben heutzutage auch eine Diktierfunktion. Schade eigentlich. Die Vorstellung ständig ein Gerät in der Größe eines Walkmans mit sich rumzutragen und in jeder freien Minute seine Gedanken in das inkludierte Mikrofon reinzuquatschen fand ich immer einen sehr gemütlichen Gedanken. Schließlich wollte ich immer wie Carla Kolumna, die rasende Reporterin von Benjamin Blümchen UND Bibi Blockberg, werden.
30 Tage. Ich frage mich gerade ob Menschen von meinem täglichen Spam genervt sein werden. Ob ich dann irgendwann zu denen gehöre, wo die Menschen denken „oh die schon wieder mit ihrem Um-Aufmerksamkeit-Buhlen-Gelaber“. Weil ja derzeit der Trend herrscht, möglichst intime Dinge von sich im Internet zu teilen. Dabei ist fast alles erlaubt: Von pseudo-authentischen Selfies, die die eigenen Speckröllchen gekonnt in Szene setzen um zu zeigen, wie glücklich man auch mit einem nicht durchtrainierten Körper sein kann, über perfekt inszenierte Schnappschüsse von seinem ungesunden Essen, um zu zeigen, dass man überhaupt kein schlechtes Gewissen hat, wenn man hin und wieder was richtig schön Ungesundes isst, bis hin zu ausschweifend überehrlichen Posts über seine unmotivierte, faule Persönlichkeit um seine Unperfektion, die man selbst aber total ok findet, zu zeigen. Natürlich alles untertitelt mit dem Hashtag #Selbstliebe.

Was ist das eigentlich, diese Selbstliebe? Wenn man sich zu sehr gehen lässt, weil Disziplin eigentlich nur vom Ego erfunden ist, ist das dann noch Selbstliebe? Wenn man jeden Tag Sport macht, ausschließlich glutenfreesugarfreefatfreelactosefreecrueltyfree-es Essen zu sich nimmt und tagtäglich jeden verdammten Punkt auf seiner to-do Liste erledigt, ist das dann noch Selbstliebe oder auch wiederum ego-gesteuert, weil man dann eigentlich nur oberflächlich alles unter Kontrolle hat? Ersteres könnte Versagensangst zu Grunde liegen, also aus Angst ein Ziel nicht zu erreichen, sich einfach keine Ziele zu stecken, weil man dann erst gar nicht versagen kann. Letzteres könnte die Angst des Kontrollverlustes zu Grunde liegen, also die Angst seine Disziplin zu verlieren und sich dann abgrundtief schlecht zu fühlen und sich selbst zu verurteilen.

Es gilt mal wieder die Balance zu finden. Ich für meinen Teil habe festgestellt, dass folgende Punkte dafür wichtig sind: 1. Mit welchen Menschen du dich umgibst. Allgemein ist es für mich wichtig, mich ÜBERHAUPT mit Menschen zu umgeben, weil ich alleine zu sehr stehenbleibe. Dann ist es natürlich entscheidend, welche Art von Menschen das sind. Ich habe gemerkt, dass dazu die Fraktion der faulen Menschen genauso wichtig ist wie sehr disziplinierte Zeitgenossen. 2. Bewusst Zeit nur für DICH nehmen. Ich gestalte das derzeit des öfteren so: Ich koche mir eine schöne Tasse Tee (derzeit steh‘ ich irgendwie voll auf Kamille, oh ja, der gute alte Kamillentee), zünde mir Kerzen an, setze mich auf den Boden, schließe die Augen, nehme ein paar Schlücke meines Heißgetränks und genieße einfach. Mich. Mein Dasein.

Das ist also tatsächlich die Schwierigkeit an so einer Challenge: Zeitmanagement. Ich muss jetzt los, dort hin, wo ich Geld für mein Dasein bekomme. Bin eigentlich total im Schreibflow. Aber so ist das eben. Ich mag ja eigentlich meine Work-Money-Exchange Tätigkeit ganz gerne. Kann dort tatsächlich ganz gut entspannen. Ist mal einen eigenen Post wert. Erkenntnis während der Produktion dieses Artikels ist aber eindeutig, dass man irgendwann tatsächlich in den Schreibflow kommt. Wenn man sich keine Erwartungen setzt. So kläglich der Versuch am Anfang dieses Artikels sich auch angefühlt haben mag. Zum Schluss ist doch etwas ganz Schönes daraus entstanden.

Hasta la vista and see you soon, babys 🙂

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