Vom Erschaffen und Erschlaffen

Ein Update zu meinem Scham-Projekt

Foto: Sabrina Lieb

Nachdem ich ein dutzend Menschen in ihrem Scham-Dasein fotografiert habe – und dies wahnsinnig genoss, ist nun der Teil des Schreibens dran. Und es ist verdammt herausfordernd. Nur ich und das Papier. Erwartungen, die Angst haben nicht erfüllt zu werden, Erkenntnisse, die sich wieder und wieder über neue Erkenntnisse überschlagen. Ein fortwährender Salto im Erschaffen und Erschlaffen. Auf diese Zirkusnummer war ich nicht vorbereitet.

Ich wollte doch nur wissen, was Scham ist. Um besser auf sie vorbereitet zu sein.
Und dann das: Du kannst nicht darauf vorbereitet sein! Sie erwischt dich immer dann, wenn du es nicht erwartest.

Und doch gibt es da diese Erfahrung, ja eine für mich wirklich sehr wertvolle Erfahrung, nämlich dass ich Scham lieben lerne. Scham, du bist wunderbar! Doris, du bist wunderbar! Denn sind es nicht die größten Wachstumsmomente, wenn wir inmitten unserer puren Scham stehen, einfach nur weg wollen, im Boden versinken wollen – und gleichzeitig verdammt nochmal wissen wollen, was passiert, wenn wir stehen bleiben?
Und nichts anderes ist dieses Projekt.
In fortwährender Erschöpfung und Ekstase um meine eigenen Erkenntnisse, die mich dann wieder tiefer in mir ankommen lassen, befinde ich mich also in diesem Schaffensprozess.

Im Jungle der Prokrastination


Es läuft meistens ähnlich ab: Wenn ich meinen Jungle der Prokrastination mit meiner messerscharfen Machete durchforstet habe, am Strand ankomme, d.h. an meinem Schreibtisch sitze und endlich das erste Wort in mein Dokument tippe, ganz vorsichtig aufs Surfbrett steige, ein kleiner Angsthase auf einem rießigen Surfbrett, der bei jeder kleinen Welle, die mein Brett zum wackeln bringt, ganz panisch wird. Um mich dann doch wieder kräftig mit dem Paddel anzustoßen.

Kräftig und doch nicht greifbar


Mutig streife ich durchs Wasser, das solch eine Kraft hat und doch nie greifbar ist. Irgendwann fühle ich mich wie eine mehrfache Gewinnerin von Surf-Wettbewerben und reite ganz cool und geschmeidig auf den Wellen, meine Finger gleiten nur so über die Tastatur und wollen gar nicht mehr aufhören, die sich immer wieder neu gebärenden Wortkonstrukte aufs Papier zu bringen. Mir ist egal, wie viel oder wenig davon später im Buch landet, ob es gerade in irgendeiner Weise nachvollziehbar ist für andere Menschen, ich hab einfach Bock zu surfen!
Also, wenn du nun immer noch wartest, auf den einen Ratschlag, wie du mit deiner Scham umgehen sollst, damit dieses komische Ding irgendwann mal erträglicher wird, dann ist es das: sie erfahren!

Wenn du Bock hast bei meinem Scham-Projekt mitzumachen: Hier gibts mehr Infos

Systemische Arbeit für lebendige Beziehungen

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