#5 Ich mach‘ das alles nicht für dich. Und das ist gut so.

Wieso zur Abwechslung nicht mal ein Zitat. NUR ein Zitat. Ein sehr langes Zitat. Aus einem Buch, das mir zur Zeit wahnsinnig viel Kraft gibt. BIG MAGIC von Elizabeth Gilbert. (aus deren Feder auch EAT PRAY LOVE stammt). Es geht um Kreativität. Und wie man mit ihr produktiv umgeht. Wie man seiner Kreativität mehr zutraut. Selbstbewusstes Arbeiten mit Kreativität. Wäre auch ein schöner Titel für einen VHS-Kurs. Aber darum soll es hier jetzt nicht gehen. Es soll hier darum gehen, WIESO du kreativ sein solltest, genauer gesagt, für WEN.

PS: ich lese das Buch auf Englisch, hab die deutsche Fassung nicht da. Deswegen walte ich meines Amtes als Übersetzerin und transferiere die Textstelle einfach mal. Nicht weil ich euch nicht zutraue, dass ihr es auch auf Englisch verstehen würdet, sondern einfach weil ich Lust hab‘. Simply ‚cause it feels good.

 

„Beweggründe (für kreatives Schaffen)

Du musst mit deiner Kreativität nicht die Welt retten. Genauso wenig wie deine Kunst nicht originell und einzigartig sein muss, so muss sie auch nicht bedeutsam sein.
Jedes mal wenn mir zum Beispiel jemand erzählt, dass er ein Buch schreiben möchte um anderen Menschen zu helfen, denke ich  oh, bitte nicht.
Bitte versuche nicht mir zu helfen.
Ich meine, es ist wirklich sehr nett von dir, dass du anderen helfen möchtest, aber bitte mach das nicht zu deinem einzigen Beweggrund für deine Kreativität. Das wird nur zu einer Belastung für alle anderen. Das erinnert mich an ein wundervolles Sprichwort der britischen Kolumnistin Katherine Whitehorn: „Menschen, die nur für andere leben, erkennt man an dem gequälten Gesichtsausdruck der anderen.“) Ich würde mir viel mehr wünschen, dass du ein Buch nur zu deiner eigenen Genugtuung schreibst, anstatt mir damit helfen zu wollen. Ich würde es viel schöner finden, wenn du deine künstlerische Schaffenskraft nutzt um dich selbst zu retten oder dich selbst aus einer großen psychischen Misere zu befreien, nicht um andere zu retten oder zu befreien.

Dieses Buch hier zum Beispiel, welches du gerade in Händen hältst: Big Magic ist ganz offensichtlich ein Selbsthilfe-Ratgeber, richtig? Aber bei allem Respekt: ich habe dieses Buch nicht für dich geschrieben. Sondern für mich. Ich habe es zu meiner eigenen Freude geschrieben, weil ich es wirklich genieße über das Thema Kreativität nachzudenken. Über dieses Thema zu sinnieren macht mir Spaß und bringt mich voran.  Wenn dir das, was ich geschrieben habe hilft, schön, das freut mich. Das wäre ein toller Nebeneffekt. Aber am Ende des Tages tue ich das was ich tue, weil ich es mag.

Eine Freundin von mir, eine Nonne, hat Zeit ihres Lebens damit verbracht den Obdachlosen in Philadelphia zu helfen. Sie ist fast so etwas wie eine lebende Heilige. Sie ist ein unermüdlicher Verfechter für die Rechte der Armen und Leidenden, die die vergessen und aufgegeben wurden. Und weißt du, wieso ihre wohltätige Arbeit so fruchtbar ist? Weil sie liebt was sie tut. Weil es ihr Spaß macht. Wenn dem nicht so wäre würde es nicht funktionieren. Dann wäre es nur eine lästige Pflicht und ein schreckliches Märtyrertum. Aber Schwester Mary Scullion ist kein Märtyrer. Sie hat ein glückliches und erfülltes Leben, weil sie dem nachgeht, was am ehesten ihrer Natur entspricht und ihr am meisten gibt im Leben. Dass sie dabei anderen Menschen hilft ist eher Zufall – aber jeder spürt wie wohltuend das was sie tut für sie selbst ist, was auch der einzig wahre Grund ist wieso ihre Präsenz so wohltuend für andere ist.

Was ich damit sagen will ist, dass es ok ist, wenn deine Arbeit dir einfach nur Spaß macht. Es ist auch ok wenn deine Arbeit für dich heilsam ist, oder faszinierend oder erlösend, oder einfach nur eine Beschäftigung, die dich davon abhält durchzudrehen. Es ist sogar ok wenn deine Arbeit einfach nur total verrückt ist. Das ist erlaubt. Alles ist erlaubt.

Deine eigenen Beweggründe etwas zu erschaffen sind Grund genug. Nur indem du mit dem weitermachst was du liebst, wirst du letzten Endes jedem genug helfen. Ganz unabsichtlich. („Es gibt keine Liebe die nicht zu Hilfe wird“, lehrte der Theologe Paul Tillich.) Tu, was auch immer dich lebendig macht. Folge deiner eigenen Faszination und Obsession. Vertraue darauf. Tue das, was auch immer eine Revolution in deinem Herzen entfacht.
Der Rest wird für sich selbst sorgen.“